KI im Arbeitsalltag: Vom Entwickler zum Dialogpartner

  • Erstellt von Thomas Günther und Wolf G. Beckmann, in Zusammenarbeit mit Marcos López
  • KI, Panorama, Development, APEX

Künstliche Intelligenz verändert die Arbeit in der IT – das erlebt Wolf G. Beckmann täglich. Im Interview mit Thomas Günther erklärt der Experte, warum KI kein Ersatz, sondern eine wertvolle Unterstützung ist – und was Unternehmen sowie Berufseinsteiger beachten sollten.

Was war dein persönlicher Wow-Effekt, was KI betrifft? Wann war der Punkt, an dem du gesagt hast: KI ist ein Thema, mit dem möchte ich unbedingt arbeiten?

Ich bin Star-Trek-Fan – das ist die Grundlage für ganz viele Dinge. Als damals Amazon Alexa herauskam und das Beta-Programm startete, habe ich mich gleich mit dem Thema beschäftigt. Dazu habe ich dann auf der DOAG-Konferenz Vorträge gehalten – zum Beispiel darüber, wie man Alexa-Skills entwickelt. Das waren meine ersten Berührungen mit KI, und ich habe festgestellt: Das ist es! Dass man dieses Künstliche von Maus und Tastatur wegbekommt und die Interaktion mit dem Computer menschlicher gestalten kann – das ist ein spannendes Thema. Als dann generative KI so groß und präsent wurde und ich tiefer eingestiegen bin, hat es mich komplett gepackt. Ich finde alle neuen Themen total spannend – aber das KI-Thema hat mich besonders gefesselt.


Welche Herausforderungen siehst du bei der Integration von KI-Modellen in bestehende Unternehmensstrukturen?

Das größte Problem ist eigentlich, dass KI nicht mehr deterministisch ist. Und genau das macht es für IT-affine Menschen oft schwierig. Früher habe ich eine Funktion aufgerufen und bekam stets dasselbe Ergebnis zurück. Jetzt ist das nicht mehr so. Die Frage ist: Wie schaffe ich es, auf diese Art und Weise Interfaces zu entwickeln, die dem Nutzer trotzdem verlässliche Informationen bieten – sodass sie verstehen, wie sie damit umgehen können und sich darauf verlassen können? Das ist eine spannende Herausforderung.


Welche Rolle spielen Low-Code-Applikationen wie APEX dabei?

Oracle APEX hat den Vorteil, dass man durch den Low-Code-Ansatz individuelle Webanwendungen sehr einfach entwickeln kann. Oracle hat schnell erkannt, wie wichtig KI ist, und deshalb Komponenten zur KI-Entwicklung integriert. Zum Beispiel ist das Thema Wissensmanagement gut abgedeckt. Das sogenannte Function Calling, das genutzt wird, um über die KI Funktionalitäten zu steuern – wie es etwa bei Agenten nötig ist –, wird (noch) nicht unterstützt. Aber durch die gute Erweiterbarkeit von APEX kann man so etwas mit relativ wenig Aufwand nachrüsten. Da sich APEX zudem leicht mit anderen Systemen verbinden lässt, ist es ideal, um im Rahmen von Unternehmensprozessen als Bindeglied zu dienen – und diese Prozesse dann auch mithilfe von KI zu unterstützen.


Wie hat sich der Umgang mit Daten und Datenbanken in Unternehmen durch KI verändert?

Ich würde sagen: Seit anderthalb Jahren habe ich kaum noch Code von Grund auf selbst geschrieben. Ich lasse ihn mir generieren. Da ich weiß, wo potenzielle Fehler liegen, kann ich den Code übernehmen und entsprechend anpassen. Die Arbeitsweise hat sich dadurch total verändert. Wenn ich etwas beginne, lasse ich mir erst mal etwas liefern – und dann arbeite ich daran weiter. Was den Datenzugriff betrifft, hat sich eher weniger verändert. Die Idee, dass die KI den Select-Befehl selbst in die Datenbank schreibt – das sehe ich bisher noch nicht. Mir ist es wichtiger, über Tools definierte Zugriffe auf Daten zu haben. Dieser Teil bleibt daher weitgehend gleich.


Und im Hinblick auf IoT-Themen – hat sich da etwas verändert?

Da wird sich definitiv etwas verändern. Man sieht es ja schon: Die Assistenten auf dem Smartphone stellen sich um. Sie entfernen sich von dem, wie es bei Alexa war. Ich würde sagen, das war damals eher eine Art Template-Funktionalität: Vorgegebene Satzmuster mit Platzhaltern, die dann von der KI befüllt wurden. Amazon und Google forschen daran, die Kommunikation viel natürlicher zu gestalten. Ich freue mich sehr darauf, dass das Ganze vermenschlicht wird. Momentan ist Alexa primär dafür da, Musik abzuspielen, Licht einzuschalten oder Ähnliches. Ich glaube, da wird es einen großen Sprung geben – hin zu mehr Integration der KI in den Alltag und damit zu deutlich mehr Unterstützung.


Wie kann man sicherstellen, dass KI ethisch und verantwortungsvoll handelt – und nicht “amok läuft”?

Das ethische Thema ist tatsächlich zentral. Es hängt im Wesentlichen damit zusammen, wie KI vortrainiert wird. Microsoft hatte beispielsweise früh einen KI-Chatbot entwickelt, der sich aus dem Internet selbst “gefüttert” hat. Ohne Filtermechanismen wurde das Projekt schnell eingestellt, weil die Äußerungen des Chatbots nicht mehr gesellschaftsfähig waren. Heute liegt der Fokus weniger auf der Qualität der Trainingsdaten als auf den Mechanismen, die verhindern sollen, dass schädliche Inhalte generiert werden. Das ist eine echte Herausforderung, weil jeder, der eine KI trainiert, auch seine eigene ethische Vorstellung einbringt. Wie der Nutzer das später noch filtern kann, ist eine sehr gute Frage.


Welchen Tipp würdest du jemandem geben, der jetzt ins Berufsleben einsteigt – gerade im Hinblick auf KI?

Dieses Gespenst, das herumgeistert – dass wir bald keine Entwickler mehr brauchen, weil KI alles übernimmt – das glaube ich nicht. Entwickler wird es weiterhin geben. Aber die Art, wie wir arbeiten, wird sich stark verändern. Ich muss – und das meine ich ernst – nicht mehr jeden Code von Hand heruntertippen. Das will doch auch niemand. Ich verstehe die Konzepte, ich weiß, wie man die Bausteine zusammenfügt – und genau das diskutiere ich mit dem Computer aus, bis ich mein Ergebnis habe. Es wird eher eine Art Sparringspartner-Modell mit der KI. Man sollte sich auf jeden Fall mit dem Thema auseinandersetzen. Ich glaube, in den nächsten ein, zwei Jahren wird sich entscheiden, wer mithalten kann. Denn diejenigen, die KI als Unterstützung nutzen, werden produktiver sein – und die anderen werden abgehängt. Aber ich glaube nicht – zumindest nicht in absehbarer Zeit –, dass Menschen komplett ersetzt werden. Das denke ich nicht.


Vielen Dank für das spannende Gespräch.
 


 

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© Wolf G. Beckmann