Wenn KI zum Interviewer wird
Künstliche Intelligenz kann Code schreiben, Architekturvorschläge machen und ganze Anwendungen generieren — zumindest in der Theorie. In der Praxis, so erklärt KI-Experte Mirko Seifert im Gespräch mit Dave König, scheitern Projekte oft viel früher: bei den Anforderungen.
“Die Entwickler bekommen ein Ticket und sagen: Da fehlt die Hälfte”, beschreibt Seifert ein alltägliches Szenario. Gleichzeitig fühlen sich Fachbereiche missverstanden, wenn Spezifikationen zu technisch werden. Sein Ansatz: KI nicht als Autor, sondern als Interviewer einzusetzen. Ein Tool stellt gezielt Rückfragen, zwingt zum Nachdenken und deckt Lücken auf.
“Selbst sehr intelligente Menschen vergessen Dinge — wenn jemand nachfragt, entstehen andere Denkprozesse.”
Warum Rollen nicht verschwinden
Dieses Prinzip zeigt exemplarisch, wo KI heute echten Mehrwert liefert: nicht beim Ersetzen von Rollen, sondern beim Strukturieren von Denken. Auch die oft gestellte Frage, ob Product Owner überflüssig werden könnten, beantwortet Seifert klar. Priorisierung, Abstraktion und Verantwortung ließen sich nicht einfach automatisieren: “Irgendwer muss entscheiden, was zuerst gebaut wird.”
Ein unterhaltsamer Beweis für die Ambivalenz von KI folgt im Spiel “Tech-or-Myth?”. Zwei Geschichten, beide von einer KI generiert, klingen gleichermaßen plausibel. Eine ist wahr, eine erfunden — und selbst Experten müssen raten. Die Übung zeigt: KI kann überzeugend formulieren, unabhängig vom Wahrheitsgehalt.
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Architektur im Zeitalter der Sprachmodelle
Auch architektonisch verändert KI die Perspektive. Während manche Unternehmen wieder zu Monolithen zurückkehren, sieht Seifert in kleineren, klar abgegrenzten Services Vorteile für den Einsatz von Sprachmodellen. Überschaubare Codebasen lassen sich besser analysieren und weiterentwickeln. Gleichzeitig wächst die Komplexität moderner Systeme — und damit die Notwendigkeit, Struktur bewusst zu gestalten.
Am Ende bleibt eine überraschend bodenständige Erkenntnis: KI ist kein magischer Ersatz für schlechte Prozesse. Sie verstärkt das, was bereits vorhanden ist — gute Strukturen ebenso wie Chaos. Oder anders gesagt: Die Zukunft der Softwareentwicklung entscheidet sich nicht daran, ob Maschinen programmieren können, sondern daran, ob Menschen klar denken.
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Fünf Editionen, viele Perspektiven
DOAG VOICES erscheint mit wechselnden Hosts und Schwerpunkten, die das breite Spektrum der DOAG-Community abbilden:
- DOAG VOICES People – Ein Mensch im Fokus
Persönliche Geschichten, die zeigen, was hinter Fachwissen steckt.
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Gespräche über Künstliche Intelligenz, Ethik und Zukunftsvisionen.
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Wie Cloud-Technologien Unternehmen sowie Entwicklerinnen und Entwickler verändern.
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Moderne Softwareentwicklung zwischen Wandel und multiplen Perspektiven.
DOAG VOICES – einzigartige Stimmen aus der Welt der IT. Folge 21 mit Dave König und Leonhard Benkert von DeutschlandGPT erscheint am 24. Februar 2026.


