Die Kernidee
Der Begriff “Low-Code”, der erst 2014 eingeführt wurde, beschreibt eine Softwareentwicklungsphilosophie, die auf minimalen Programmieraufwand abzielt und es ermöglicht, Anwendungen mit visuellen Entwicklungstools, Drag-and-Drop-Funktionen und vorgefertigten Modulen zu erstellen. Das Thema scheint in den vergangenen Monaten aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein und erfährt in den IT-Medien sowie bei IT-Entscheidern immer mehr Beachtung – und Reichweite.
Die Vielfalt an Lösungen als Prinzip von Low-Code
Hinter dem Begriff Low-Code steht nicht nur eine einzige Plattform, wie beispielsweise Oracle APEX (Application Express), sondern eine Vielzahl unterschiedlichster Plattformen, die miteinander wetteifern.
Zehn der international Bekanntesten sind:
- Microsoft Power Platform (Power Apps)
- OutSystems
- Mendix
- Appian
- Salesforce Lightning Platform
- Google AppSheet
- ServiceNow App Engine
- Zoho Creator
- Betty Blocks und
- Quick Base
Dies verdeutlicht: Die Maxime im Bereich Low-Code heißt Vielfalt. Dieser Entwicklung trägt die DOAG nun Rechnung. Sie traf sich Ende Januar 2025 mit der Low-Code Association e.V. zu einem Workshop, bei dem die Potenziale einer zukünftigen Kooperation ausgelotet wurden. Das Ergebnis: eine konkrete Zusammenarbeit, die ab sofort startet und in einem gemeinsamen Event gipfeln wird.
Low-Code Association e.V.
Die Low-Code Association e.V. ist ein Verband, der sich der Förderung und Verbreitung von Low-Code- und No-Code-Technologien im deutschsprachigen Raum widmet. Gegründet wurde der Verein von führenden Anbietern dieser Technologien in Deutschland. Er sieht sich auch als Sprachrohr der Hersteller. Der Verband verfolgt das Ziel, den Einsatz moderner Low-Code- und No-Code-Anwendungen in verschiedenen Branchen zu fördern und Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützen. Zu den Aktivitäten der Low-Code Association gehören die Organisation von Veranstaltungen wie dem German Low-Code Day, der als bedeutendste herstellerneutrale Low-Code-Konferenzmesse Europas gilt, sowie die Veröffentlichung von Fachpublikationen und die Bereitstellung von Ressourcen für Experten und Interessierte.
Vorstandsvorsitzender der Low-Code Association e.V. ist Karsten Noack. Der Autor des Low-Code-Manifests, Gründer und Co-CEO der Scopeland Technology GmbH – einem der ersten Low-Code-Anbieter überhaupt –, ist Hersteller der in Wirtschaft und Verwaltung von Bund und Ländern weit verbreiteten Low-Code- und KI-basierten Digitalisierungsplattform SCOPELAND. Noack beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit programmierfreier Softwareentwicklung und gilt als einer der Pioniere der Low-Code-Bewegung.
Vom gemeinsamen Workshop zur “Low-Code Creator”
Mit Noack sowie dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Low-Code Association und Präsidiumsmitglied des Bundesverbands IT-Mittelstand e.V. (BITMi), Markus Bernhart, veranstaltete die DOAG in den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle einen Workshop.
Weitere Teilnehmer waren Arne Hattendorf, DOAG-Vorstand Development, Leiter der Development Community und Themenverantwortlicher für Green Coding, sowie Fried Saacke, Geschäftsführer der DOAG Dienstleistungen GmbH und Vorstand der Geschäftsstelle. Zudem waren Mitarbeitende des DOAG-Eventteams und der -Redaktion vertreten. Das Ergebnis: eine unverzüglich startende Zusammenarbeit sowie eine gemeinsame Veranstaltung, die im November 2025 stattfinden wird. Ihr Name: Low-Code Creator.
Die auf zwei Tage angesetzte Veranstaltung “Low-Code Creator” wird sich der Kernidee von Low-Code widmen – nämlich den Softwareentwicklungsprozess zu vereinfachen, die Einstiegshürden zu senken und Innovationen zu beschleunigen, indem nicht-technische Benutzer stärker als bisher eingebunden werden. Denn die visuelle Natur der Low-Code-Plattformen ermöglicht eine “demokratische Form der Softwaregestaltung”, die sowohl Entwicklern und Herstellern als auch Business-Anwendern zugutekommt.
Dr. Anna Meincke, Leiterin der Stabsstelle Transformation der Wirtschaft des Landes Niedersachsen, brachte dies auf der Pressekonferenz zum German Low-Code Day 2024 treffend auf den Punkt: “Low-Code lenkt den Fokus weg von der technischen Umsetzung hin zum Prozess und erleichtert so die Akzeptanz und Nutzung" (Quelle: Low-Code Association e.V.).
Low-Code – von den Anfängen bis heute
Frühe Anfänge: Automatisierung und RAD
- 1980er Jahre – Rapid Application Development (RAD): Die Grundlagen von Low-Code wurden in den 1980er Jahren gelegt, als Unternehmen nach Wegen suchten, Anwendungen schneller zu entwickeln. Konzepte wie 4GLs (Fourth-Generation Programming Languages) und RAD-Tools wie PowerBuilder und Visual Basic ermöglichten es Entwicklern, Anwendungen effizienter zu erstellen.
- Die Idee, technische Komplexität zu abstrahieren und Entwickler ohne tiefgehende Programmierkenntnisse einzubeziehen, nahm hier erstmals Gestalt an.
2000er Jahre – Business Process Management (BPM) und Modellgetriebene Entwicklung
- Mit dem Aufkommen von BPM-Systemen und modellgetriebener Softwareentwicklung (Model-Driven Development, MDD) wurde der Fokus stärker auf visuelle Modellierungsansätze gelegt. Tools wie OutSystems und Mendix, die später Vorreiter im Low-Code-Bereich wurden, begannen in dieser Zeit ihre Entwicklung.
- Unternehmen erkannten die Vorteile, nicht-technischen Mitarbeitern (Citizen Developers) die Möglichkeit zu geben, durch visuelle Schnittstellen Anwendungen zu erstellen.
2014 – Einführung des Begriffs “Low-Code”
- Der Begriff “Low-Code” wurde erstmals 2014 vom Analystenhaus Forrester Research geprägt. In ihrem Bericht beschrieben sie eine neue Klasse von Plattformen, die schnelle und einfache Softwareentwicklung durch visuelle Modelle, Automatisierung und Drag-and-Drop-Funktionen ermöglichen.
- Der Fokus lag auf der Beschleunigung der Entwicklungsgeschwindigkeit und der Reduzierung von Abhängigkeiten von traditioneller Softwareprogrammierung.
2015er Jahre – Kommerzialisierung und Popularität
- Große Anbieter wie Microsoft (mit Power Platform), Salesforce (mit Lightning Platform) und Google (mit AppSheet) begannen, ihre eigenen Low-Code-Plattformen zu entwickeln oder bestehende Plattformen zu erweitern.
- Der Begriff wurde zunehmend populär, da Unternehmen durch Digitalisierung wachsenden Druck verspürten, Anwendungen schneller und kosteneffizienter bereitzustellen.
Heute – Low-Code im Mainstream
- Low-Code ist heute ein zentraler Bestandteil moderner Softwareentwicklung und ein Milliardenmarkt. Es hat sich zu einer Technologie entwickelt, die nicht nur die Entwicklung beschleunigt, sondern auch eine Brücke zwischen Business- und IT-Teams schlägt.
- Die Plattformen haben sich weiterentwickelt, um komplexere Anwendungen zu ermöglichen, und werden zunehmend mit anderen Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und Automatisierung kombiniert.
Weitere Quellen: Eine Auflistung von gängigen Low-Code-Plattformen findet man unter https://lowcode.hyand.com.


