Braucht es ein Buch über Low-Code? Immerhin ist das Thema an sich schon über 30 Jahre alt – damals firmierte es noch unter dem Label 4GL. Die Antwort lautet: auf jeden Fall. Seitdem vor zehn Jahren der Begriff Low-Code geprägt wurde, nimmt das Thema neuen Schwung auf. Besonders in Deutschland ist in den letzten fünf Jahren ein rasantes Wachstum der Plattformen und Projekte in diesem Bereich zu beobachten.
24 Autorinnen und Autoren haben sich zusammengefunden, um Informationslücken zu schließen, Vor- und Nachteile zu beleuchten und das Ganze mit praxisnahen Beispielen erfolgreicher Projekte zu untermauern. So entsteht ein hervorragender Überblick über das Thema. Die Erklärung wichtiger Fachbegriffe und Abkürzungen erleichtert dabei den Einstieg. Möchte man tiefer in einen bestimmten Bereich einsteigen, bietet das Quellenverzeichnis einen hilfreichen Ausgangspunkt.
Von Theorie bis Praxis: Low-Code in der Breite erklärt
Das Buch bietet eine umfassende Darstellung von Low-Code – von theoretischen Grundlagen über Anwendungsfälle und Projektbeispiele bis hin zu Themen wie Integration, Künstliche Intelligenz und Abgrenzung zu benachbarten Ansätzen.
Im Zentrum steht dabei die Erklärung der Konzepte von Low-Code: Wie ist Softwareentwicklung ohne tiefgreifende Programmierung möglich? Auch die Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Codegeneratoren oder stark konfigurierbarer Standardsoftware wird sauber herausgearbeitet.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Rolle der sogenannten Citizen Developer – IT-affine Fachkräfte, die oft mit Tools wie Access, Excel oder VBA arbeiten und so informelle Systeme aufbauen. Low-Code bietet hier ein enormes Potenzial zur strukturierten Integration solcher Kompetenzen. Aber auch klassische Entwicklerinnen und Entwickler finden in dem Buch wertvolle Hinweise, wie Low-Code ihren Arbeitsalltag ergänzen kann. Dabei wird ebenfalls beleuchtet, welche Fähigkeiten man – unabhängig vom beruflichen Hintergrund – für die Arbeit mit Low-Code-Tools mitbringen sollte.
Strategien, Fallstricke und Zukunftsperspektiven
Gerade für kleine und mittlere Unternehmen eröffnen sich mit Low-Code vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig werden Herausforderungen wie Skalierung und Projektsteuerung angesprochen. Das Buch widmet sich auch ausführlich der Frage, wie man typische Fallstricke vermeidet – denn strategische Fehler im Vorfeld können auch ein Low-Code-Projekt scheitern lassen.
Abgerundet wird die Darstellung durch Kapitel zu agiler Softwareentwicklung, Transformation, Flexibilität, Design Thinking und gängigen Vorgehensmodellen – ergänzt durch gelungene Leuchtturmprojekte.
Ein weiterer zentraler Abschnitt behandelt die Einordnung der vielfältigen Low-Code-Welt. Aspekte wie BPM, Cloud, Datenbanken, Metadaten, NoSQL, Prozesse, RDBMS, Schnittstellen und Datenhaltung werden differenziert dargestellt. Besonders hilfreich ist dabei die Unterscheidung zwischen prozess- und datengesteuerten Anwendungsfällen.
Die letzten Kapitel widmen sich dem Thema Integration – sowohl technisch (Einbettung in bestehende IT-Landschaften, Security, Betrieb) als auch zukunftsgerichtet in Verbindung mit KI. Ob KI-gestützte Entwicklung oder Integration von KI-Funktionalitäten in Low-Code-Anwendungen – dieser Bereich wird fundiert behandelt. Ein abschließender Ausblick rundet das Buch sinnvoll ab.
Fazit
“Paradigmenwechsel Low-Code” ist ein ausgesprochen nützliches Buch – besonders für IT-Entscheiderinnen und -Entscheider, die sich fundiert mit dem Thema auseinandersetzen möchten. Dank der klaren Strukturierung kann man gezielt relevante Kapitel lesen, was das Werk sowohl für erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler als auch für interessierte Laien attraktiv macht.
Produktinformationen:
- Herausgeber: Springer Vieweg
- Erscheinungstermin: 9. August 2025
- Sprache: Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe: 316 Seiten
- ISBN-10: 3658471255
- ISBN-13: 978-3658471255
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Arne Hattendorf ist DOAG Vorstand Development,
Leiter der DOAG Development Community sowie
Mitglied der Delegiertenversammlung Korp. Mitglieder.
Er arbeitet seit 1995 als Anwendungsentwickler und
Data Engineer und ist bei der CGS mbH beschäftigt.


